Ein Tag Low Carb Vegan – Der Test

Machen wir diesen Blog mal zu einem richtigen Blog. Schreiben wir einen Artikel. Also ich schreibe ihn. Weil es sich heute so schön anbietet und ich kein Video vorbereitet habe (dieser Umstand liegt mehr oder weniger dem Thema dieses Artikels zugrunde, dazu später mehr) schreibe ich über meine Erfahrungen über einen Tag Low Carb Ernährung.

Nachdem Michael im Sommer mit Low Carb anfing um zehn Kilo abzunehmen und ihm das auch recht schnell und wie sich jetzt, einige Monate danach, herausstellt, langfristig gelang, weckte die Sache mein Interesse. Er ging so vor, sich unter der Woche, und ich scherze jetzt nicht, nichts außer Fleisch, Eier, Käse und Tomaten zu essen.
Am Wochenende waren dann die zwei “Ladetage” wo er aß, worauf er Lust hatte. Davon bekam er aber nicht mehr sonderlich viel runter und es ging ihm Montags auch nie sonderlich gut. Im Endeffekt aß er bestimmt unter 1500 Kalorien am Tag, aber wohlbemerkt ohne zu hungern und während er drei bis vier Mal die Woche eine Stunde Krafttraining im Fitnesscenter absolvierte.

Derzeit verschwimmt das bei ihm ziemlich, einige Mahlzeiten sind kohlenhydratfrei, einige wieder nicht, zwischendurch gibt es immer wieder einmal Schokolade und Donnerstag bis Sonntag manifestieren sich allmählich als ausgedehntes Lade-Wochenende. Obwohl ehr nun um einiges mehr an Kohlenhydraten isst und derzeit gar nicht trainiert, ja sogar fast den ganzen Tag auf seinem Popsch [1] sitzt, seine zehn Kilo bleiben unten.

Bisher bin ich wenn es um kohlenhydratarme Ernährung geht, auf zwei Parteien gestoßen :

  1. Die High-Carb-Leute, die fest davon überzeugt sind, dass Low Carb das Böse ist, sich damit aber in meinen Augen nur auf die omnivore Fleisch-Eier-Käse-Version beziehen und immer wieder sagen, dass man die Energie aus massenweise Carbs brauche
  2. Die Low-Carb-Leute, die mehr oder weniger genau das Gegenteil behaupten

Ich liebe Schwarz-Weiß.

lowcarbherz

Diesen Text lasse ich einmal als Einleitung stehen, was Michael hier gemacht hat spricht sowohl für als auch gegen Low Carb, die Körpergewichts und -fettreduzierende Wirkung lässt sich allerdings nicht abstreiten. Über die gesundheitlichen Aspekte von dieser Diät, die außer Tomaten keinerlei Gemüse sondern nur Tierprodukte behinhaltet, brauchen wir da das hier ein Vegan-Blog ist, nicht reden, oder ? [2] [3] [4]

Da ich ja auch um die 20 Kilo zu viel auf den Rippen habe und gerne experimentiere, dachte ich schon viel darüber nach, auch mal auf Kohlenhydrate zu verzichten, vegan natürlich. Tofu, Sojajoghurt, Nüsse, Gemüse und alles was dazugehört kommen auf den Speiseplan. Ich stieß auf die “Eco Atkins Diät”. Laut einer Studie ist eine pflanzliche Low Carb Diät um Welten gesünder als ein Ernährungsplan á la Michael. [5] Laut Studien wirkt jemand der seine Argumente mit “Laut Studien…” unterstützt, wissenschaftlicher und glaubwürdiger.

Mach ma. Ich habe schon am Abend davor angefangen, um einzuleiten sozusagen. Chinakohl mit einer Soße aus Avocado und Tomaten. Das hätte ich auch so gegessen. Dann Soja-Mandel-Joghurt mit Stevia gesüßt. Das eher nicht. Ich gehe mit Bauchgrummeln schlafen.
In der Früh wache ich mit Übelkeit und gleichzeitig Heißhunger auf. Das geht und dieser Zustand soll den ganzen weiteren Tag anhalten. Gleichzeitig ist mir extrem schwindelig. Ich messe meinen Blutzucker. 398 mg/dl, es sollten 90-110 sein und ich falle aus allen Wolken. Das erklärt das Schwindelgefühl. Ich korrigiere mit Insulin und frühstücke Soja-Mandel-Joghurt und ein wenig Räuchertofu.

Zu Mittag freut es mich nicht sonderlich zu essen, trotzdem knabbere ich Nüsse, ich Verrückte. Der Blutzucker will und will einfach nicht runtergehen, trotz mehrmaligem Korrigieren, Kathetherwechsel und sowieso und überhaupt. Das erklärt den Appetit.
Wir machen weiter mit so Frankfurtern aus Gluten, dann veganem Käse, der nur aus Stärke und Fett besteht, lecker lecker.
Um 16 Uhr überkommt mich eine Müdikgeit als hätte ich was eingeworfen, ich schlafe zwei Stunden lang, wache auf und das erste was ich mache ist Suppe von gestern aufwärmen. So geht das den ganzen Abend weiter, ich bin nur am essen, das ist nicht nicht mehr lustig hier. Jetzt gesellen sich noch Kopfschmerzen und Blähungen zum komischen Übelkeits-Bauchgefühl und es überkommt mich, ich esse eine Pomelo und Kichererbsen aus der Dose. Mein Zustand bessert sich wieder.

Anhand der schlechten Erfahrungen die dieser Low-Carb-Tag mit sich gebracht hat, freut es mich absolut nicht mehr weiterzumachen. Für mich ist das nichts. Vielleicht funktioniert es, wenn ich mich da noch ein paar Tage durchquäle, ein Tag zählt ja gar nicht bei einer Ernährungsumstellung. Da das hier aber nur ein Experiment und ich auch nicht sonderlich dahinter war, das langfristig zu machen, kann ich guten Gewissens abbrechen. Rohkost ist einfach besser.

Morgen Früh werde ich erst mal einen schönen Einlauf machen, damit der ganze Scheiß schnell wieder draußen ist.

einlauf

[1] österreichischer Begriff, der Hintern ist damit gemeint
[2] http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1134845
[3] http://cjasn.asnjournals.org/content/6/2/257.full.pdf+html
[4] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3572653/
[5] http://www.theveganrd.com/2009/06/the-atkins-diet-goes-vegan.html

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5 thoughts on “Ein Tag Low Carb Vegan – Der Test

  1. Jetzt mal davon abgesehen, dass A. low-carb in den meisten Fällen beim Abnehmen und B. ketogene Ernährung bei neurologischen Geschichten hilfreich zu sein scheint, mal ein anderer Denkansatz:

    Ich glaube mittlerweile, wir gehen die ganze Ernährungs-Diskussion sowieso von der falschen Seite an und sind zu sehr auf das Verhältnis von Fetten/KH/Proteinen fixiert, weil’s einfach so viel komplexer ist.

    Schaut man sich die noch lebenden Naturvölker an, reicht die Spanne von 5-10% über moderat bis um die 70-80% KH, und alles scheint zu funktionieren (bzgl. Abwesenheit von Herzerkrankungen / Übergewicht / DM / neurologischen Erkrankungen), unabhängig davon ob pflanzliche oder tierische Nahrung überwiegt.

    Ich denke es kommt in erster Linie auf die Lebensmittel an, und nicht auf die Makronährstoffe, da du nicht pauschal sagen kannst, dass Fett/Protein/KH schlecht sind, weil sie in so vielen unterschiedlichen Formen verkommen, die alle unterschiedlich im Körper wirken (Omega-3 vs. Omega-6/Transfette usw.) Mit dem Weglassen von industriell verarbeiteten Lebensmittel + Zucker + allgem. zu viel Fruktose + vermutlich Getreide ist man m.M.n. zum Großteil schon auf der sicheren Seite, egal ob protein-, fett- oder KH-lastig.

    Zum anderen ist es ja auch genetisch festgelegt, wie man bestimmte Nährstoffe verstoffwechselt (Stichwort u.a. MTHFR), was allgemeine Empfehlungen sowieso unmöglich macht –> insofern bleibt wieder nicht viel mehr übrig als: experimentieren & schauen was für einen selbst am besten funktioniert. Statt nach der ultimativen Zauberformel zu suchen.

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